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Junge fertigt ein neues Kreuz

|  Stiftskirche

Noch immer sind Menschen über den Diebstahl eines Kreuzes aus der Gebetsnische der Stiftskirche entrüstet. „Viele Leute haben mich angesprochen und ihr Entsetzen über die Dreistigkeit geäußert“, sagt Citypfarrer Stefan Bergmann. Verschwunden ist das Kreuz aus Bronze vor einer Woche, ohne dass der diensthabende Kirchenhüter etwas davon bemerkt hat.

Der Diebstahl wurde der Polizei gemeldet, doch bislang ohne Erfolg. Dass es Menschen gebe, die heute vor nichts mehr Respekt hätten, ist Bergmann von einer Frau auf dem Wochenmarkt angesprochen worden. Das habe es schon immer gegeben, dass Diebe auch in Gotteshäusern vor nichts zurückschreckten, habe er die Frau beruhigt. Aus Kirchen seien schon ganz andere Sachen entwendet worden.

Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sei die Stiftskirche auch an Werktagen zu bestimmten Zeiten geöffnet. Bei 40.000 bis 60.000 Besuchern jährlich, die die Kirche aufsuchen, kann Bergmann bei dem gestohlenen Kreuz noch von einer „guten Bilanz“ sprechen. Es sei schlimm, dass so etwas passiert, doch verhindern könne man es nicht. Für Bergmann noch perfider ist der Diebstahl auf Friedhöfen. Beispielsweise, wenn Unbekannte mit einer Flex Buchstaben von Bronzeaufschriften auf Grabsteinen entfernen. „Da geht es um persönliche Andenken von Angehörigen“, erzählt er und kritisiert diese Taten.

Doch der Seelsorger hat auch eine gute Nachricht. Ein Vater hat seinem Sohn von dem Diebstahl des Kreuzes erzählt, worauf der Junge spontan reagiert und angeboten habe, ein neues Kreuz aus Holz zu bauen. „Der Junge kennt die Gebetsnische und hat dort selbst schon Kerzen angezündet.“

Gestern war Julian mit seinem Papa vor Ort und hat Bergmann sein schlichtes Kreuz aus Kiefernholz gezeigt. Passend zur Gebetsnische will der Zehnjährige jetzt noch einen Sockel aus Sandstein fertigen, damit das Kreuz auch einen entsprechenden Halt hat. „Ein aufgeweckter Junge und handwerklich engagiert. Ein Grund für den Papa, stolz auf seinen Sohn zu sein“, berichtet Bergmann.

Julian will den Citypfarrer nicht mehr lange auf das Kreuz samt Sockel warten lassen. Den Sockel will er bis zum Wochenende fertig haben. Auf den schnellen Ersatz des gestohlenen Kreuzes freut sich Bergmann bereits.

Joachim Schwitalla in: Die Rheinpfalz, Pfälzische Volkseitung, Nr. 119, 23.05.2019, S. 15

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